4.1 Förderung
Einbruch
In der 5. Geisterstunde geht es von Gier geleitet, um das Füllen des Totenreiches mit darin wesentlichen Dingen, Idolen und Götzenbilder, mit denen man seine Macht darstellen kann, mehr vom Gleichen zu beschwören. Damit stirbt man in der Masse leichter. Das tut man am besten mit der Flamme der Isis im Mund - heute den Added Values, bzw. mit Opfermacht im Geschrei der Bestraften im brennenden Feuer der Verurteilten und Feinde - z.B. der Versagerräte der Swissair, oder dem Gerede der Raucher über die Warnungen, dass Rauchen tödlich sei...
Für die Humanen beklagt Ulrich Jost (65), emeritierter Geschichtsprofessor, die Kalte Revolution an Schweizer Universitäten; Schweizer Hochschulen produzierten nur noch Wissen, das auf dem globalen Markt Bestand hat. Damit verabschieden sie sich von Idealen, die einst Grundlage des Landes waren. Fakt ist, er hat u.a. im Bergierbericht mit seinen Todsünden massgebend eben daran von der Postnormalität her mitgewirkt. Damit hat die Schweiz die stille und schleichende, jedoch folgenreiche Revolution mit dem Marsch der 68er durch die Institutionen erlebt. Es geht um zwei Tendenzen in den Universitätssystemen, die von Jost beklagte Eingliederung der höheren Bildung in die globalisierte Marktwirtschaft und die gerade auch von ihm betriebene, in den seichten Zeitgeist des "anything goes". Damit werden nicht nur die reellen Menschen wie bisher von den Kollektivs, sondern nun diese selbst auf allen Stufen viel tiefgreifender und in grösserem Tempo von ihrer Substanz hinweg gefordert, als zu jedem anderen Zeitpunkt der Geschichte. Und nun entbrennt der Kampf der beiden Lager um die Steuergelder.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war es mit der biedermeierlichen Beschaulichkeit der Universitäten vorbei; in der Wirtschaft dauerte es noch bis zum Swissair Grounding 2001. Es galt, wie in der Politik und der Wirtschaft, auch im wissenschaftlichen Bereich nach neuen Horizonten Ausschau zu halten, wollte man nicht in den internationalen Märkten und im Zeitgeist von den Amerikanern überrollt werden. Der Bund sollte deshalb, so die Forderung einiger Wissenschaftspolitiker, vermehrt die entsprechende Forschung fördern. Doch damit entbrannte der Machtkampf zwischen den manipulativen Natur- und den illusionären Geisterwissenschaften. Der Vater des 1952 geschaffenen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Alexander von Muralt, nahm dazu wie folgt einseitig Stellung: «Es fällt vielen Menschen schwer, sich eine Vorstellung vom arbeitsbeschaffenden Einfluss der Geisteswissenschaften zu machen. Etwas leichter fällt es bei den Naturwissenschaften und der Medizin, geradezu einleuchtend ist es bei den technischen Wissenschaften, die einem Volk Ansehen und wirtschaftlichen Erfolg sichern...»
In der Tat, so Jost, kamen die Geistes- und Sozialwissenschaften unter dem Einfluss der vom Bund gesteuerten Forschungspolitik immer mehr ins wissenschaftliche Abseits. Das sagt einer der Geister, die sich sonst rühmen, über den Dingen zu stehen. So verdrängte nach Jost das technisch-wirtschaftliche Effizienzdenken das traditionelle humanistische Bildungsideal zusehends. Dass die Intellektuellen der Postmoderne ihm den Todesstoss gaben, verschweigt der Gentlemen vom Bergierbericht her zu solchen Zwecklügen legitimiert. Der Bund blieb zwar in den so genannten Human- und Geisterwissenschaften nicht untätig, aber ein grosser Teil seiner Bemühungen beschränkte sich auf die Schaffung von Kommissionen, die Erarbeitung von Expertenberichten und die Redaktion von langfädigen, unübersichtlichen Botschaften. Die Zahl der sich auf Bundesebene mit der höheren Bildung und der Forschung beschäftigenden Stellen war schliesslich grösser als jene der Universitäten. Und bitte schön, welche Leute stehen dahinter, wenn nicht die über 60% der von der Geisterwissenschaft konditionierten Uni-Absolventen und dahinter die sich immer mehr medial gebärenden höfischen Humanfakultäten?
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts zeichnete sich eine neue, «revolutionäre» Strategie ab. Deren Leitlinien findet man unter anderem in den Schriften von Charles Kleiber. «Savoir (Wissen)», schrieb Kleiber 1997 in einem beinahe poetischen Text (in «Le Temps», 11. Oktober 1999), sei bisher als Geschenk Gottes verstanden worden und deshalb unverkäuflich gewesen - in Zukunft sei es jedoch als Quelle des Profits zu betrachten und entsprechend zu managen. Wissenschaft sollte also, weg von humanistischen Idealen, dem Markt zugeführt werden. Also soll, wer zahlt, befehlen, nicht mehr die Gnädigen Herren. Aber halt, diese Herren sitzen in den Kommissionen, die über das Geld bestimmen, und deren Verlautbarungen kann man nicht immer für bare Münzen nehmen - zu gross ist der Bildungsfilz! Der vormalige Rektor der Universität Zürich, Hans Heinrich Schmid, meinte dazu: «Die «Macher» sind am Werk. So soll die Universität neu zum «Ort der Wissensproduktion» werden, zum Ort, wo «Wissen produziert, valorisiert, distribuiert und vermarktet wird». Daraus hat die Bologna- Abmachung von 1999 so Just, einen völlig unübersichtlichen Bildungsbazar gemacht, der zeitgeistgemäss eher zum intellektuellen Surfen denn zu einem seriösen Studium einlädt.
In Bern zielt die «Revolution» in erster Linie auf Machtballung. Ein entscheidender Schritt erfolgte 2005 durch die Zusammenlegung der Gruppe für Wissenschaft und Forschung mit dem Bundesamt für Bildung und Wissenschaft zum neuen, von Charles Kleiber geleiteten Staatssekretariat für Bildung und Forschung. Das neue Superamt vermindert die ohnehin schon unklaren Kompetenzen der anderen Gremien noch mehr und verschafft dem Bundesrat eine dominante Stellung in der Forschungs- und Universitätspolitik. Offiziell gefördert und ausgebaut werden wohl in Zukunft nur die technischen Wissenschaften, Teile der Medizin, Systembiologie, Genomik, Neurobiologie und die so genannte Life-Science, die das Leben als biochemische Maschine studieren. Inoffiziell aber bekommen die Geister- und Sozialwissenschaften nicht wie Aschenbrödel unter die Räder wie Jost scheinheilig meint, sondern sie bekommen auf allen Stufen mehr Einfluss auf die von den "Life-Sciences" entwesentlichten Köpfe! Wie war im Madison Avenue Marketing, das die Minds der Konsumenten als leere Schlachtfelder um den Kampf für Aufmerksamkeit definierte, was über Managementgurus massgebend über die Handelhochschule St. Gallen in unseren Köpfen Einlass fand, mit der expo02 und dem Bundesrat Schmid verdummenden Bonobotheater, dem verlogenen Bergierbericht, der Indoktrination des Collegium Helveticums? Da schlägt das Empire gewaltig zurück, indem es die Köpfe der Naturwissenschaftler subtil aber nachweisbar, infiltriert.
In den öffentlichen Debatten wird «Kultur» eine lokale Angelegenheit, im wissenschaftlichen Bereich redet man von international kompatibler Kompetenz. Dies bedeutet, dass die Geister- und Sozialwissenschaften zur Globalisierungsanstalten der Zeitgeistideologie mutieren, und kaum mehr von den Medien zu unterscheiden sind. Mit dieser Revolution nimmt auch die Schweiz, trotz allen gegenteiligen Beteuerungen der neuen Universitätsmacher in Bern, Abschied nicht wie Jost scheinheilig meint, vom Ideal der humanistischen Bildung, sondern von seiner Substanz - die uns bis zur 700- Jahrfeier eine Heimat gegeben hatte. Da meinten die Intellektuellen selbst gerecht, 700- Jahre Schweiz sei genug. Und dann konnte es sich 1997 wie erwähnt Bundesrat Arnold Koller, sinngemäss, gegen den Geist der von ihm eingeführten Neuen Verfassung erlauben zu verlautbaren, die Schweiz brauche keine reellen Menschen mehr, weder in- noch ausländische. Und das acht Jahre nach dem Fall des "Evil Empires", das solches in seiner 70- jährigen fürchterlichen Praxis konsequent umgesetzt hatte, nachdem die Philosophen einige Jahrhunderte lang darüber diskutiert hatten. 
In diesem Kontext will der Theologe, Rektor Weder (ohne wirklichkeitsbezogene Grundlagen über Humansysteme) in der 5. Geisterstundevöllig neue Strukturen und damit die Führung massiv verstärken. Damit will die Universitätsleitung das, was an den Fakultäten passiert enger begleiten und das Frühwarnsystem, das heute mangelhaft ist, solle dann besser funktionieren. So sprach man in der DDR vor dem Mauerbau; von Verstehen und aneinander lernen ist nicht die Rede bei den lieben netten Humanen.