In der
5. Geisterstunde
geht es von Gier geleitet, um
das Füllen des Totenreiches mit darin wesentlichen
Dingen, Idolen und Götzenbilder, mit denen man seine Macht darstellen kann, mehr vom Gleichen zu
beschwören. Damit stirbt man in der Masse leichter. Das tut man am besten mit der Flamme der
Isis im Mund - heute den Added Values, bzw. mit Opfermacht im Geschrei der Bestraften im
brennenden Feuer der Verurteilten und Feinde - z.B. der
Versagerräte der Swissair, oder dem Gerede der Raucher
über die Warnungen, dass Rauchen tödlich
sei...
Für die Humanen beklagt Ulrich Jost (65),
emeritierter Geschichtsprofessor, die Kalte Revolution an Schweizer
Universitäten; Schweizer Hochschulen
produzierten nur noch Wissen, das auf dem globalen Markt Bestand hat. Damit
verabschieden sie sich von Idealen, die einst Grundlage des Landes waren. Fakt ist,
er hat u.a. im Bergierbericht mit seinen
Todsünden massgebend eben daran von
der Postnormalität her mitgewirkt.
Damit hat die Schweiz die stille und schleichende, jedoch
folgenreiche Revolution mit dem Marsch der 68er durch die
Institutionen erlebt. Es geht um zwei Tendenzen
in den Universitätssystemen, die von Jost beklagte
Eingliederung der höheren Bildung
in die globalisierte Marktwirtschaft und die gerade
auch von ihm betriebene, in den seichten Zeitgeist des "anything
goes". Damit werden nicht nur die reellen Menschen wie bisher von den
Kollektivs, sondern nun
diese selbst auf allen Stufen viel tiefgreifender und in
grösserem Tempo von ihrer
Substanz hinweg gefordert, als zu jedem anderen
Zeitpunkt der Geschichte. Und nun entbrennt der Kampf der
beiden Lager um die Steuergelder.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war es mit der
biedermeierlichen Beschaulichkeit der
Universitäten vorbei; in der Wirtschaft dauerte
es noch bis zum Swissair Grounding 2001. Es galt, wie in der
Politik und der Wirtschaft, auch im wissenschaftlichen Bereich
nach neuen Horizonten
Ausschau zu halten, wollte man nicht in den
internationalen
Märkten und im Zeitgeist von den Amerikanern
überrollt werden. Der Bund sollte deshalb, so die Forderung
einiger Wissenschaftspolitiker, vermehrt die entsprechende
Forschung fördern. Doch damit entbrannte der
Machtkampf zwischen den manipulativen Natur- und den
illusionären
Geisterwissenschaften. Der Vater des 1952
geschaffenen Nationalfonds zur Förderung der
wissenschaftlichen Forschung, Alexander von Muralt, nahm dazu wie
folgt einseitig Stellung: «Es fällt vielen Menschen
schwer, sich eine Vorstellung vom arbeitsbeschaffenden Einfluss der
Geisteswissenschaften zu machen. Etwas leichter fällt es bei
den Naturwissenschaften
und der Medizin, geradezu
einleuchtend ist es bei den technischen
Wissenschaften, die einem Volk Ansehen und wirtschaftlichen Erfolg sichern...»
In der Tat, so Jost, kamen die Geistes- und
Sozialwissenschaften unter dem Einfluss der vom Bund gesteuerten
Forschungspolitik immer mehr ins wissenschaftliche Abseits.
Das sagt einer der Geister, die sich sonst rühmen, über
den Dingen zu stehen. So verdrängte nach Jost das technisch-wirtschaftliche
Effizienzdenken das traditionelle humanistische
Bildungsideal zusehends. Dass die Intellektuellen der Postmoderne ihm den Todesstoss gaben,
verschweigt der Gentlemen vom Bergierbericht her zu solchen
Zwecklügen
legitimiert. Der Bund blieb zwar in den so genannten Human- und Geisterwissenschaften nicht
untätig, aber ein grosser Teil seiner Bemühungen
beschränkte sich auf die Schaffung von Kommissionen, die
Erarbeitung von Expertenberichten und die Redaktion von
langfädigen, unübersichtlichen Botschaften. Die Zahl der
sich auf Bundesebene mit der
höheren Bildung und der Forschung beschäftigenden
Stellen war schliesslich grösser als jene der
Universitäten. Und bitte schön, welche Leute stehen
dahinter, wenn nicht die über 60%
der von der Geisterwissenschaft konditionierten
Uni-Absolventen und dahinter die sich immer mehr
medial gebärenden
höfischen
Humanfakultäten?
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts zeichnete sich
eine neue, «revolutionäre» Strategie ab. Deren
Leitlinien findet man unter anderem in den Schriften von Charles
Kleiber. «Savoir (Wissen)», schrieb Kleiber 1997 in einem
beinahe poetischen Text
(in «Le Temps», 11. Oktober 1999), sei bisher als
Geschenk Gottes verstanden worden und deshalb
unverkäuflich gewesen - in Zukunft sei es jedoch als Quelle
des Profits zu betrachten und entsprechend zu managen.
Wissenschaft sollte also, weg von humanistischen Idealen, dem Markt zugeführt werden. Also
soll, wer zahlt, befehlen, nicht mehr die Gnädigen Herren. Aber halt, diese Herren sitzen in den Kommissionen,
die über das Geld
bestimmen, und deren Verlautbarungen kann man nicht immer
für bare Münzen nehmen - zu gross ist der
Bildungsfilz! Der vormalige Rektor der
Universität Zürich, Hans Heinrich Schmid, meinte
dazu: «Die «Macher» sind
am Werk. So soll die Universität neu zum
«Ort der
Wissensproduktion» werden, zum Ort, wo
«Wissen produziert, valorisiert, distribuiert und
vermarktet wird». Daraus hat die Bologna- Abmachung von
1999 so Just, einen völlig unübersichtlichen
Bildungsbazar gemacht, der zeitgeistgemäss eher zum
intellektuellen Surfen
denn zu einem seriösen Studium einlädt.
In Bern zielt die «Revolution» in
erster Linie auf Machtballung. Ein entscheidender Schritt
erfolgte 2005 durch die Zusammenlegung der Gruppe für
Wissenschaft und Forschung mit dem Bundesamt für Bildung und
Wissenschaft zum neuen, von Charles Kleiber geleiteten
Staatssekretariat für Bildung und Forschung. Das neue
Superamt vermindert die ohnehin schon unklaren Kompetenzen der anderen
Gremien noch mehr und verschafft dem Bundesrat eine dominante Stellung in der
Forschungs- und
Universitätspolitik. Offiziell gefördert
und ausgebaut werden wohl in Zukunft nur die technischen Wissenschaften, Teile der Medizin,
Systembiologie, Genomik, Neurobiologie und die so genannte
Life-Science, die das Leben als biochemische Maschine
studieren. Inoffiziell aber bekommen
die Geister-
und Sozialwissenschaften
nicht wie Aschenbrödel unter die Räder wie Jost
scheinheilig meint, sondern sie bekommen auf allen Stufen mehr
Einfluss auf die von den
"Life-Sciences" entwesentlichten Köpfe! Wie war
im Madison Avenue
Marketing, das die Minds der Konsumenten als leere
Schlachtfelder um den Kampf für Aufmerksamkeit
definierte, was über Managementgurus massgebend über die
Handelhochschule St. Gallen in unseren Köpfen Einlass fand,
mit der expo02 und dem Bundesrat Schmid verdummenden Bonobotheater,
dem verlogenen Bergierbericht, der Indoktrination des Collegium
Helveticums? Da schlägt das Empire gewaltig
zurück, indem es die Köpfe der
Naturwissenschaftler subtil aber nachweisbar,
infiltriert.
In den öffentlichen Debatten wird
«Kultur» eine lokale Angelegenheit, im wissenschaftlichen
Bereich redet man von international kompatibler Kompetenz. Dies
bedeutet, dass die Geister- und Sozialwissenschaften zur
Globalisierungsanstalten der Zeitgeistideologie mutieren,
und kaum mehr von den Medien zu unterscheiden sind. Mit
dieser Revolution nimmt auch die Schweiz, trotz allen gegenteiligen
Beteuerungen der neuen Universitätsmacher in Bern,
Abschied nicht wie Jost scheinheilig meint, vom Ideal der humanistischen Bildung,
sondern von seiner Substanz - die uns bis zur 700- Jahrfeier
eine Heimat gegeben hatte. Da meinten die Intellektuellen selbst gerecht,
700- Jahre Schweiz sei genug. Und dann konnte es sich 1997
wie erwähnt Bundesrat Arnold Koller, sinngemäss, gegen
den Geist der von ihm eingeführten Neuen Verfassung erlauben zu
verlautbaren, die Schweiz brauche keine reellen Menschen mehr, weder in- noch
ausländische. Und das acht Jahre nach dem Fall des "Evil
Empires", das solches in seiner 70- jährigen
fürchterlichen Praxis konsequent umgesetzt hatte, nachdem
die Philosophen einige
Jahrhunderte lang darüber diskutiert hatten.
In diesem Kontext
will der Theologe, Rektor Weder (ohne
wirklichkeitsbezogene Grundlagen über Humansysteme) in
der 5.
Geisterstundevöllig
neue Strukturen und damit die Führung massiv
verstärken. Damit will die Universitätsleitung das, was an
den Fakultäten passiert enger begleiten und das Frühwarnsystem, das heute mangelhaft
ist, solle
dann besser funktionieren.
So sprach man in der DDR vor dem Mauerbau; von
Verstehen und aneinander lernen ist nicht die Rede bei den
lieben netten
Humanen.